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Stehbier am Schlenk'

Jeden Sommer abends ab acht

wird die Altstadtzone zum Bierstand gemacht.

Zwischen „Ehehygiene im Sand“

und der Herrenstraße ergießt sich der Stand.

Und verwundert blickt der Tourist,

der noch vom Kaiserdom geflasht ist,

auf den blasphemischen Mob,

der vergnügt säuft und frisst.

Keiner kommt dann mehr hier vorbei

ohne selbst probierte Rauchbiertrinkerei.

Denn der Domstadt schönstes Geschenk

an die Kulturerbewelt ist ein „Stehbier am Schlenk‘“.

Auch der Japanermann geht auf Schau,

reicht die Spiegelreflex‘ seiner Frau

und steht mit Glas in der Hand bald im Dunkelbier-Stau.

Schnell wird’s ihm ganz flau,

die Gesichtshaut ganz grau

und konsterniert bemerkt er:

„Dieses Biel schmeckt nach Schinken!

Es scheint nach Luß mil zu stinken!

Kann man das übelhaupt tlinken?

Muss‘ ich velgiftet zu Boden gleich sinken?“

Doch der Schock ist bald weggesteckt,

weil ihm das dritte Glas dann erstaunlich gut schmeckt. 

Und auch die Japanerin

hat zwei Schwart‘nbier-Seidla ganz tapfer schon drin.

Selig rufen sie vielfach „canpai!“

und bestellen sich lächelnd noch zwei

und ihr Tag zieht noch einmal im Hirnrausch vorbei.

„Diese Stadt macht ganz high,

soviel Kultur mit dabei…!“

Und hocherfreut bemerkt er:

Doch dieses Biel ist del Wahnsinn!

Da ist doch nicht nul vegan dlin!?

Da fählt man bessel nul mit del Bahn hin.

Gut, dass wir nach Bambelg gefah‘n‘ sin‘!